Der Peoples Blog

"... that's how the light gets in."

Liebe Freunde des Hauses,

wieder ein Jahr um und wieder ist der entspannte Ausklang zu kurz gekommen. Dennoch, die Reflektion über das Vergangene findet statt, oft verbunden mit der Frage: bin ich richtig dort, wo ich beruflich bin? Dem immensen Recruiting Aufwand der Unternehmen nach zu urteilen, sollte diese Frage längst ausgestorben sein. Social Media Kampagnen, Employer Branding Konzepte, Checks über Social Networks, so viel Informiertheit war nie. Und die andere Seite? Durchforstet Jobplattformen, Arbeitgeber-Rankings und Alumni Facebook-Gruppen. Alle, so scheint es, wissen alles über alle. Und trotzdem oder gerade deswegen - wie kommt es, dass so viele Professionals glauben, am falschen Ort zu sein et vice verca, die Unternehmen zu wenig Talent aus den eigenen Reihen nachhaltig entwickeln können? Warum gelingt der heilige Gral des Recruiting, der „Perfect Match“ noch immer selten?

Auftritt Leonard Cohen. In „Anthem“ singt er: „There´s a crack in everything, that´s how the light gets in.“ Ohne Risse, ohne Spalten, Brüche in der Welt kann kein Licht durchscheinen. Wenn alles nur glatt und makellos ist, wird niemand wirklich sichtbar. Sprechen wir aus, was uns bewegt? Natürlich nicht. Denn das, was besonders macht, sieht ja auf den ersten Blick gerne mal nicht besonders, geschweige denn beeindruckend aus – wenn es denn überhaupt erkannt wird. Der Deutschlehrer, der die Augen für Lyrik öffnete, das Scheitern an einer komplexen Verantwortung – nichts davon würde je im Gespräch genannt werden, obwohl das in Wahrheit mehr geprägt hat als alle Auslandssemester und Praktika bei angesagten FMCG Konzernen zusammen.

Stattdessen werden die Raster des Recruiting mit der schlafwandlerischen Sicherheit derjenigen ausgefüllt, die genau wissen aus welchen Details man sehr hübsche Winke mit sehr großen Zaunpfählen macht (die Diskussion über algorithmisch optimierte Auswahlverfahren ersparen wir uns an dieser Stelle). Aber gerade indem biographische Details nach Eignung als Metapher ausgewählt werden und nicht nach ihrer wahren Bedeutung für das Leben, entsteht eine Verhüllung Christo´schen Ausmaßes. Äußerlich passt alles. Abi-Schnitt: Check, Harvard Semester: Check. Master im angesagten Fachbereich: Check. Aber was – oder besser: wer – hinter dieser perfekten Oberfläche wirklich liegt und was besonders macht, ist oft kaum mehr zu erkennen. Das gilt für viele Unternehmen unter der schillernden Decke der Employer Brand übrigens genauso. No cracks – no light, würde Leonhard Cohen sagen. Und am Ende wundern sich alle, dass das, was doch oberflächlich so prima zueinander passte, im richtigen Arbeitsleben häufig mittelprächtig, selten langfristig funktioniert.

Der Ausweg? Ist einfach: Professionals müssten nur erkennen, worin ihre Einzigartigkeit besteht - und dazu stehen. Und die Unternehmen? Müssten lernen, genauer hinzuschauen, das Einzigartige im Kleinen, Unscheinbaren, Angreifbaren zu erkennen und wertzuschätzen. Auslandssemester haben am Ende sowieso alle und den Master im Zweifel auch. Aber Tango-Tanzen? Der Onkel, der Physik-Professor war? Einfach mal den Job gekündigt, ohne schon den nächsten Vertrag unterschrieben zu haben? All das passt nicht ins Raster und wirft gerade deshalb ein klares Licht auf den Menschen. Tango erzählt von der Fähigkeit, loszulassen. Der Physiker-Onkel hat vielleicht den Blick für komplexe Strukturen geschärft, die Auszeit deutet auf innere Unabhängigkeit, ein Gespür für Balance. Alles Faktoren, die auf lange Sicht wichtiger sind als „teamfähig, motiviert, ergebnisorientiert“, die Dreieinigkeit der hohlen Bewerbungsphrasen.

Warum also geben wir uns im nächsten Jahr nicht einfach gegenseitig die Möglichkeit, Menschen mit „Cracks“ zu sein, Menschen, die Licht durchlassen und dadurch sichtbar werden? Darin liegt unsere beste Chance für mehr Perfect Matches. Wir jedenfalls werden unser Bestes tun, Sie auf diesem Weg zu begleiten und wünschen Ihnen ein friedvolles und entspanntes Weihnachtsfest - und ein lichtvolles und erfolgreiches Jahr 2016!

Ihre

Dagmar Hübner
und das Team von The People Business

 

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